46 Vorstrafen und ein übermotivierter Zeuge

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von Isabel  Schwarz und Stella Pipitone

Diese Straftaten haben nicht etwa wir, die Klasse 10d verbrochen, sondern das sind Ausschnitte aus unserer Exkursion ans Amtsgericht Ingolstadt, welche am 2.2.2026 zusammen mit Frau Hauber und Frau Stanner stattfand. Das Amtsgericht behandelt Fälle wie Diebstahl oder auch Ordnungswidrigkeiten.

Am Morgen wurde die Klasse in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine sah Anhörungen zu Diebstahl und unerlaubtem Entfernen vom Unfallort. Die andere Gruppe besuchte Verhanlungen zu Betrug, Vergehen gegen das Waffengesetz und ein Vergehen zum Kunsturheberrechtsgesetz.

Soviel zu den offiziellen Straftatbeständen. Denn wie so oft ist nicht alles, wie es scheint. Der erste Fall zu Diebstahl, den wir ab der Mitte verfolgten, entpuppte sich als die 47. Straftat eines älteren Herrn, der bereits genau wusste, was er wann sagen musste, um die niedrigste Strafe zu erhalten. Der Richter kommentierte das nur mit: „Sie machen den Job ja bereits länger als ich.“ Daraufhin folgte die Urteilsverkündung, bei der sowohl der Richter, als auch alle anderen Anwesenden sich erheben müssen. Danach verließen Verteidiger und Angeklagter den Raum und es ging weiter mit dem nächsten Prozess.

Zur Fahrerflucht, die anschließend verhandelt wurde, war ein höchst motivierter Zeuge geladen. Dieser beobachtete die angeblich begangene Fahrerflucht eine ganze Stunde, bis er sich mit dem Fahrrad auf den Weg zu gleich zwei Polizeistellen machte, um den Fall zu melden. Als der Richter dem Zeugen nach sehr genauer Erklärung was nach dessen Meinung passiert sei, anbot zu gehen, antwortete der 63-Jährige nur: „Ich habe Zeit“. Nach erneuter Erläuterung des Tatbestands, begab der Zeuge sich zu einem freien Platz in unserer Zuschauerreihe und sagte, dass es hier doch echt spannend für uns sein müsse. Zuletzt beschwerte der ambitionierte Zeuge sich über die Strafe, die seiner Meinung nach viel zu gering ausfiel. Dennoch musste auch dieser motivierte Zeuge schließlich gehen, damit noch einmal Recht gesprochen werden konnte – für unseren dritten und letzten Fall.

Dieser verlief deutlich anders. Denn außer dem Verteidiger und dem Angeklagten war noch ein Dolmetscher mit im Gerichtsaal, da der Angeklagte aus Rumänien kam und kein Deutsch sprach, obwohl er schon sehr lange hier lebt. Der Zeuge, der dieses Mal geladen war, war ein Polizist. Das ist in Fällen am Amtsgericht, z.B. bei Diebstahl, nicht unüblich. Doch dieser Polizist war kein Unbekannter. Nun, für unsere Gruppe schon, nicht aber für Frau Hauber. Es stellte sich nämlich heraus, dass die beiden verwandt waren: der Zeuge war ihr Cousin.

Werfen wir nun noch einen kurzen Blick zur anderen Gruppe. Denn auch dort stellten sich die Straftatbestände als etwas anderes heraus, als man eigentlich gedacht hatte. Ein verhandelter Betrug wurde von einem jungen Mann begangen, der gefälschte Markenprodukte auf Ebay verkaufte, sie aber dann niemals abschickte. Nach ein paar kreativen Ausreden gab er die Tat schließlich zu und ein Urteil wurde gesprochen.

Zu guter Letzt: Woran denkt ihr, wenn ihr die Anklage: „Vergehen gegen das Kunsturheberrechtsgesetz“ hört? Vermutlich an Fälschungen berühmter Kunstwerke oder den Louvre-Raub. Wohl eher nicht an TikTok. Denn genau davon handelte der Fall. Ein junger, aufstrebender Tiktoker, hatte mit einer speziellen Brille beim Einkaufen Mitarbeiter im Einzelhandel gefilmt. Da das die Rechte am eigenen Bild verletzt, fiel der Fall unter diesen Paragrafen.

In der zweiten Gruppe wurde oft nach dem Jugendstrafrecht entschieden. Das ist für Heranwachsende bis zu 21 Jahren möglich, je nach Schwere der Tat oder der geistigen Reife. 

Schlussendlich lässt sich sagen, dass dieser Besuch im Amtsgericht nicht nur interessant, sondern auch unterhaltsam war. Wir konnten den Ablauf einer Gerichstverhandlung und die Rechtssprechung, die wir im Unterricht behandelt hatten, real erleben. Zudem lernten wir auch viel Neues, da die Richter sich zwischen den Verhandlungen unseren Fragen gestellt haben und uns so das deutsche Recht noch anschaulicher nähergebracht haben. Beispielsweise erklärte uns die Staatsanwältin, die alle Prozesse in der ersten Gruppe verhandelte, dass man die Akten der Fälle für diesen Tag bereits vorher erhält, um sich darauf vorbereiten zu können, da man oftmals nicht alle Prozesse verhandeln kann, die man selbst untersucht und bearbeitet hatte. Man hat also immer ziemlich ereignisreiche Tage als Staatsanwältin. Und auch als Richter wird es nicht langweilig. Wie wir erfuhren, verhandeln Richter im Amtsgericht nicht jeden Tag Straftaten, sondern auch mal Ordnungswidrigkeiten, z.B. aus dem Straßenverkehr oder beschäftigen sich mit der Aktenbearbeitung.

Ein großer Dank geht daher an das Amtsgericht Ingolstadt und natürlich Frau Hauber und Frau Stanner für das Begleiten dieser Exkursion.

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