Wenn ein Zweifel jahrelange Planung gefährdet

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Tablets an Schulen. Ein Vorsatz, der so greifbar war. Endlich sollten bayerische Schulen Digitalisierung nicht mehr nur vorgauckeln, sondern auch leben. Und zwar, indem Schülerinnen und Schüler, ab der 5. Klasse, ein digitales Endgerät, sprich: Tablet, erhalten sollten. Wenige Monate vor Umsetzung dieses ehrgeizigen Plans kamen bei Ministerpräsident Markus Söder wohl Bedenken und er sagte „Nein“, – Tablets erst ab der 8. Klasse. Was war der Grund für diesen plötzlichen Sinneswandel?

Zunächst einmal gelten Tablets ab der 5. Klasse als zu früh, da zuerst andere Kompetenzen erlernt und gefestigt werden sollen und die Sorge bestehe, dass die Schüler noch zu jung sind, um mit den Geräten richtig umzugehen. Beispielsweise haben die Länder Schweden und Dänemark diese Erfahrungen bereits gemacht und sind nun in ihrem Kurs massiv zurückgerudert. Mattias Tesfaye, der dänische Bildungsminister, erklärte entschuldigend, die Schüler als „Versuchskaninchen in einem digitalen Experiment“ benutzt zu haben.

In einer Umfrage des Bayerischen Philologenverbandes haben sich etwa 89% von 3500 Lehrerinnen und Lehrern gegen flächendeckende Digitalisierung eingesetzt. Zeigt das die Meinung aller Lehrer? Nun, nicht wirklich. Der Bayerische Philologenverband gilt als eher konservativ und stimmt mit der Meinungsänderung unseres Ministerpräsidenten überein. Na gut, aber sind diese Planänderungen denn wirklich so schlimm? Dann besorgt man halt doch keine Tablets.

Über den plötzliche Umschwung des Ministerpräsidenten kann man unterschiedlicher Meinung sein, doch eines ist sicher: an vielen bayerischen Schulen kam es zu Chaos und Planungsstau, nachdem bereits vielerorts begonnen wurde, sich auf das neue Schuljahr vorzubereiten. Beispielsweise sind die Lehrkräfte bereits fortgebildet, Projektwochen wurden geplant und natürlich sind die Tablets schon bestellt. Das Ganze würde aber sowieso doch gar nicht funktionieren, da sich Schülerinnen und Schüler zu sehr von ihren digitalen Endgeräten ablenken lassen und sich anderweitig beschäftigen. So empfinden 83% der Lehrkräfte verschiedener Schulen, die Klassen der Mittelstufe unterrichten, die Ablenkung durch digitale Endgeräte als stark bzw. sehr stark.

Moment mal, irgendetwas stimmt da doch nicht. Ach ja – richtig – in all diesen Umfragen wurden Lehrer gefragt – nicht Schüler. Und wen betrifft dieses Thema am meisten: die Schüler. Die Schüler, deren Schulen nach einer Umfrage von Bitcoin Research 2023 zu 87% kein oder schlechtes WLAN, zu 56% schlechte technische Ausstattung und zu 48% zu wenig digitale Bildungsmöglichkeiten besitzen und einsetzen. Gleichzeitig müssen wir Schüler in der Praxis mit digitalen Endgeräten umgehen, weil unsere Zukunft immer digitaler wird. Da man in der Schule ja fürs Leben lernt, ist das der Rahmen, in dem dies sinnvoll eingesetzt und geübt werden sollte. Dies lässt sich z.b. mit digitalen Planspielen oder Exkursionen, wie in den Fächern WR durch Drehen von Werbespots und Geographie durch Plattformen wie GeoGuesser effizient umsetzen.

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