von Kenza Mili
Nachdem ich mich vergewissert habe, dass meine Eltern mit fernsehen beschäftigt waren, schlich ich mich wieder in ihr Zimmer, nachdem ich zum 100.Mal in der unteren Schublade nachgesehen habe, fiel mir auf, dass da ein herausnehmbarer Boden ist. Ich hob diesen auf und … Ich fand einen Zettel, besser gesagt ein Formular, auf dem Folgendes stand:
Adoptionsformular
Ausgestellt von: Jugendamt Bamberg
Ursprünglicher Name des Kindes: Unbekannt
Geburtsdatum:07.10.2011
Name des Kindes: Noemi
Geburtsort: Unbekannt
Name der Adoptivmutter: Tina Paschke
Wohnort: Almera-Straße 174, Bamberg
Hiermit wird Noemi rechtlich als Tina Paschkes Tochter …
Plötzlich bekam ich ein ganz komisches Gefühl, ich wollte einfach nur weg von hier. Ich kramte mein Handy heraus, machte ein Foto und rannte in mein Zimmer. <<Noemi, alles gut?>>, fragte Mom, aber ich antwortete nicht.
Freitag, 15.März
Als ich am Morgen aus dem Auto stieg, kam auch schon gleich meine Freundin Penelope auf mich zu. <<Hi, Noemi. Wie geht´s? Hast du dich schon entschieden, ob du mit auf den Frankreich-Austausch mitkommst, heute Abend läuft die Frist ab?>>
Ich habe ganz vergessen, dass wir am Mittwoch in einer Woche nach Frankreich fahren dürfen. Erst war ich mir nicht sicher, ich meine zwei Wochen lang weg von meiner Familie, aber nachdem was ich gestern gefunden habe, denke ich je weiter weg, desto besser, also sagte ich: <<Ja klar! Vor allem freue ich mich auf die Macarons und Eclairs und so, du?>> Wir redeten weiter bis der Unterricht anfing.
In der 1.Stunde hatten wir Englisch bei Frau Schubert, die auch unsere Klassenleitung ist. Sie ist eine von diesen Lehrerinnen, die immer noch so altmodisch sind. <<Alle an die Plätze und aufstehen zur Begrüßung>>, rief sie. Wir begrüßten sie und setzten uns hin. <<Zuerst einmal habe ich ein paar organisatorische Dinge zu besprechen, wegen des Schüleraustauschs gibt es ein Formular für eure Eltern auszufüllen. Wer geht denn alles mit?>>, fuhr sie fort. Einige Kinder meldeten sich, darunter auch Penelope und ich. Wir kicherten, weil sie jede Silbe so überdeutlich ausgesprochen hat.
<<Penelope Kreuzgar! Noemi Paschke! Ich glaub es föhnt! Man lacht nicht im Unterricht!>>, schrie Frau Schubert durch die Klasse. Später dann in der 5. und 6. Stunde hatten wir Französisch mit unserer Lehrerin Madame Dubois, sie ist meine Lieblingslehrerin, vor allem, weil sie auch zwei unterschiedliche Augenfarben hat wie ich.
>> Da wir ja nächsten Mittwoch nach Paris fahren, denke ich es ist praktisch, einige nützliche Sätze zu kennen. Wir schlagen alle unser Heft auf und schreiben als Überschrift „Dans un café“.>>
Nach der letzten Stunde ging ich nach Hause.
Mittwoch, 20.März
<<So Kinder, alle in den Bus steigen!>>, rief Madame Dubois.
Ich, voll bepackt mit einem Koffer und einem Rucksack und Penelope mit ihrem riesen Rucksack, stiegen in den Bus. Ich blickte aus dem Fenster in die wunderschönen Baumkronen des kleinen Waldes neben meiner Schule. Irgendwie hatte ich ein Gefühl, dass ich hier nicht hinpasse. <<Ist was?>>, fragte Penelope sichtlich besorgt. <<Wirst du deine Familie vermissen?>> Ich habe ihr nämlich noch nicht von meinem Fund letzte Woche erzählt. Ich antwortete ihr: <<Na klar, aber irgendwas zieht mich magisch nach Paris.>>
Die Reise dauerte ewig, ich muss zugeben, ich hatte die Grenze verschlafen. Als wir an einer Raststätte anhielten und der Bus langsamer wurde, wachte ich schließlich auf. <<Los ihr Lieben, steigt aus dem Bus, wir machen eine kleine Pause>>, rief Madame Dubois.
Sie stand draußen und gab jedem, der aus dem Bus stieg, eine Tüte. In der Tüte waren ein kleines Sandwich, ein Apfel und eine kleine Schokolade. Man sah die Sonne, obwohl sie sich hinter den Wolken versteckte. Nach dem Essen legte ich mich ins Gras und malte mir die verschiedensten Bilder aus. Zurück im Bus, schlief ich gleich wieder ein. Plötzlich rüttelte Penelope mich so fest wach, dass ich dachte, sie reißt mir gleich den Arm ab. Der Bus war leer, nur Penelope und ich waren noch drin, sofort nahm ich mein Zeug und hastete mit Penelope nach draußen.
Madame Dubois zählte schon die Liste durch: <<… Anastasia Jansen kommt zu den Moreaus, Penelope Kreuzgar kommt zu den Verdiers, …>> Ich umarmte Penelope, bevor sie ging. Nach ihr kamen noch ein paar andere Namen und dann schließlich,<<Noemi Paschke kommt zu den Desjardins.>>
Kaum hatte sie das ausgesprochen, winkte mir eine Familie zu. Diese bestand aus Mutter und Vater und einem Mädchen, welches im Rollstuhl saß. Sie trug ein ein rosanes Kleid mit Rosen und zusätzlich eine im Haar. Ich ging auf die Desjardins zu und begrüßte sie höflich: <<Bonjour Madame et Monsieur Desjardins.>>
Es fühlte sich gut an, endlich angekommen zu sein …







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