2.Kapitel: Zu viele Überraschungen
(In der Nacht)
<<Noemi? Bist du wach? Noemi?>> Als ich meine Augen öffnete, war es immer noch dunkel. Es war Vollmond. Ich setzte mich auf, Margot saß fertig angezogen in ihrem Rollstuhl. Ich streckte mich, zog mir einen Hoodie und Jeans an und setzte ein fragendes Gesicht auf. <<Komm mit mir>>, flüsterte sie, <<aber leise.>>
Wir schlichen uns leise aus dem Haus, doch als wir begannen in Richtung Wald zugehen, hielt ich Margot auf und fragte: <<Was machen wir? Es ist mitten in der Nacht?>> Aber Margot legte einfach ihren Finger auf meine Lippen und bedeutete mir leise zu sein. Dabei musste sie sich ganz schön aus ihrem Rollstuhl recken. Schließlich erreichten wir dann den Wald, Wind raschelte in den Baumkronen. << Reichst du mir die Blume da?>>, fragte Margot. Ich zog eine Augenbraue nach oben, obwohl ich wusste, dass sie die nicht sieht, bückte mich, pflückte eine wunderschöne Rose vom Wegrand und überreichte sie Margot. Sie nahm meine Hand und dann geschah etwas Unglaubliches…
Es ist schwer zu beschreiben. Zuerst kam ein Licht, dann ein Knall und wir wurden in das Licht eingesogen. Als ich meine Augen öffnete, die ich aus Angst geschlossen hatte, waren wir in einer Art Garten. Nur dass alles größer war als sonst – oder wir kleiner. Ich sah mich um und erschrak, denn da an meinem Rücken, ich konnte es nicht glauben, waren Flügel. Ich bin eine Fee. Margot hatte auch Flügel bekommen, ich erschrak, eilte schnell zu Margot, um sie aufzufangen.
<<Margot pass auf!!“>>
Doch sie kicherte nur. <<Alles gut. In meiner echten Form brauche ich meinen Rollstuhl nicht.>>
In ihrer echten Form? Was meint sie damit? Margot flog in die Lüfte und machte mir ein Handzeichen, dass ich ihr folgen sollte. <<Es ist ganz einfach. Du musst nur deine beiden Schulterblätter zusammen und wieder auseinander drücken. Versuche es mal!!>>
Tatsächlich, es funktioniert zwar noch nicht so gut, aber ich lerne schnell. Wir flogen ein bisschen und schließlich landeten wir vor einem Haus, welches aus Blumenstängeln bestand und ein Dach aus einer riesigen Sonnenblumenblüte hatte. Margot schloss die Tür auf und bat mich herein. Das Haus bestand aus vier Zimmern, eins war von Margot, das andere war ein Schlafzimmer, das dritte war ein Badezimmer und das vierte ein weiteres Zimmer. <<Jetzt musst du mir aber alles erklären, denn ich verstehe gar nichts mehr…>>
Margot setzte sich auf ihr Bett und ich setze mich im Schneidersitz neben sie. <<Also>>, begann sie, <<wir sind Feen. Insgesamt gibt es vier Feenkönigreiche: Die Wetterfeen, die Zahnfeen, die Waldfeen und die Gartenfeen … wie ich und meine Mutter. Außerdem hat jede Fee als Mensch einen Namen und einen anderen als Fee. Ich zum Beispiel heiße in der Menschenwelt Margot, aber in echt heiße ich Rosé. Doch im Gegenzug dazu hat man eine Art Seltenheit und je nachdem ist diese halt größer oder kleiner.>> Margot … oder besser gesagt Rosé zeigte auf ihre Beine, die sonst immer im Rollstuhl sind.
Rosé sah verstohlen um sich herum. <<Eigentlich darfst du hier nicht sein, denn die vier Königreiche sind schon seit Jahrhunderten verfeindet. Und wenn ich dich jetzt anschaue, denke ich du bist eine Waldfee…>>
Ich sah an mich herab, ich trug ein Blätterkleid mit goldbraunen und gelbgrünen Blättern als Rock und ein größeres Blatt als Top. An den Füßen trug ich gelb goldene Sandalen mit Absatz und Schleifen, die bis zu meinen Knien reichen. Margot stand auf und legte einen großen mystisch aussehenden Spiegel frei, ich sah dort, dass ich ein Blätterkrönchen trug, welches an einem Dutt befestigt war. <<Warum sind die Königreiche verfeindet und warum ist dieser Spiegel hinter einem Laken versteckt?>>, fragte ich weiter. Margot senkte den Kopf: <<Ich weiß es nicht … also man erzählt, dass es alle Informationen zu den vier Königreichen in der Miss Maple Bibliothek gibt. Aber diese Bibliothek ist im Königreich der Waldfeen, das heißt für uns unerreichbar. Außer vielleicht … ich habe eine Idee!>>
Plötzlich hörten wir ein Türschloss öffnen, wir sahen uns an und huschten geschwind durch das offene Fenster …
